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Fachschaft Deutsch

 

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Conny Putz, Helga Kaußen, Michael Bauer, Isabella Margreiter, Hans Popescu und Christel Vollrath

 

„Das Fach der Fächer“? – Oder dasjenige, in dem alle irgendwie mitreden können, ohne ernsthaft zu lernen?

 

In jedem Beruf und in fast jeder zwischenmenschlichen Situation ist derjenige der Selbst--Sicherste, der seine Sprache zuhörend, sprechend, lesend und schreibend am souveränsten zur Verfügung hat. Mit ihr zeigt er sich und den anderen, wes Geistes Kind er ist.

Und so ist unser erstes Ziel, unsere Schülerinnen und Schüler vom Kind bis zum jungen Erwachsenen hin zu begleiten bei ihrer Bewältigung der Sprachnormen, der Erweiterung der Stilebenen, der logischen Anordnung von Inhalten, dem Erfassen und Verfassen sachlicher und beeinflussender, ernster und ironischer, oberflächlicher und tiefgründiger Argumentation.

(In diesem Zusammenhang kann man gar nicht genügend würdigen, was die Kinder, die von weit her zu uns kommen, mit Hilfe der Internationalen Abteilung  zu Wege bringen: In kurzer Zeit sollen sie nicht nur, wie an einem Goetheinstitut, die deutsche Sprache mit all ihren Tücken erlernen, sondern auch  Texte über die elementaren Gegebenheiten unserer Gesellschaft (Geschichte und Politik, Mythen und Religion, Kunst und Literatur) verstehen und bearbeiten, selbst Erörterungen und Interpretationen schreiben. Dass dieser Weg zu einem geglückten Abitur führe, ist vorwiegend die Aufgabe der geisteswissenschaftlichen Fächer, in erster Linie des Faches Deutsch.)

Und die langweilige oder spannende, gehasste oder geliebte Literatur?

Ist sie ein in den Köpfen der Kultusminister spukendes romantisches Überbleibsel, das für mein Kind nur Zeitverschwendung bedeutet auf seinem Weg in die „Welt der Globalisierung“? Oder bestenfalls ein Schmuck, den man sich ab und an umhängen kann, um „gebildet“ zu erscheinen?

 Nein!

Sie ist zunächst Identität stiftend für unser Selbstverständnis als Europäer: Von Odysseus über Siegfried, von Nathan dem Weisen über Faust, vom Zögling Törless bis zu Oskar, dem Blechtrommler, erfährt die junge Leserin/ der junge Leser mit Unterstützung der Lehrer, wie die exemplarischen literarischen Gestalten unseres Kulturkreises gefühlt, gedacht und gehandelt haben, in Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, in die sie hineingeboren wurden.

Aber die Literatur wirkt auch Identität stiftend für jedes Individuum. Beim Lesen, Diskutieren und Schreiben über fiktive, ästhetische Welten kann sich jede/r Einzelne unbewusst identifizieren, abgrenzen, selbst besser kennen lernen. Ohne es zu wissen, spricht der Jugendliche, wenn er sich in eine literarische Figur hineinversetzt, auch über sich selbst – und die Lehrkraft, die bei dieser Art Persönlichkeitsentwicklung mitwirken darf, weiß, warum sie – trotz massiven Arbeitsaufwands – ihr Fach für kein anderes hergeben würde.

Christel Vollrath