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Fachschaft Physik
Erde

Edith Seidl, Rosemarie Holland und Dr. Stephan Haser

„Am wichtigsten ist es, nicht mit dem Fragen aufzuhören.
 Die Neugier hat ihre eigene Existenzberechtigung.“

Das sagte kein geringerer als Albert Einstein, und hat damit doch nur eine Binsenweisheit ausgesprochen. Physik – das ist die Frage nach dem, „was die Welt im Inneren zusammenhält“. Das kleine Wörtchen „warum“ ist dabei der entscheidende Antrieb.

Nun gibt es auf die Frage nach dem „Warum“ jede Menge möglicher Antworten, doch die Physik legt sich Beschränkungen auf, die die Sache einerseits vereinfachen, andererseits aber auch außerordentlich verkomplizieren können. Die verkomplizierende Beschränkung lautet nämlich: die Antwort muss überprüfbar sein.

Schon stellt sich die Frage: Wie muss die Frage eigentlich gestellt werden? Natürlich so, dass die Antwort möglichst eindeutig und objektiv ist. Die Physik stellt also die Frage an die Natur, und diese Art zu fragen heißt „Experiment“. 


Manchmal sind es die einfachsten Fragen, die schon jedes Kind stellen kann, die, die gewaltigsten Antworten hervorbringen. „Warum geht die Sonne auf?“ „Wie alt ist die Welt?“ „Gibt es einen Ort an dem ‚nichts’ ist? Und was ist das überhaupt: ‚Nichts’?“ „Was passiert, wenn ich einem Lichtstrahl hinterher fliege?“ „Wie klein ist das kleinste Teilchen? Und kann man es dann vielleicht doch noch mal teilen?“ Dass die Physik auf viele dieser Fragen mittlerweile sinnvolle – also nachprüfbare! – Antworten geben kann, ist eine große Errungenschaft der Menschheit.

Dass vieles heute erklärt werden kann, nimmt dabei der Natur nicht im Mindesten die Faszination oder die Schönheit. Ganz im Gegenteil! Zum Beweis muss man dazu nur ein Foto betrachten. Es ist das Bild der „aufgehenden“ Erde über dem Mondhorizont, aufgenommen aus der Mondumlaufbahn von der Besatzung der Apollo 8 – Mission am 24. Dezember 1968, bei der zum ersten Mal Menschen die Erde wirklich verließen und zu einem anderen Himmelskörper reisten. Übrigens: Ein ähnliches Bild hat sich auch die Fachschaft Geographie zum „Leitbild“ gewählt.

Eng verflochten mit den anderen Naturwissenschaften Chemie und Biologie liefert die Physik heute die Grundlage unseres modernen Weltbildes. Eine Grundlage, die vernünftiger Weise nicht mehr in Frage gestellt werden kann. Sie ist auch die Basis jeder Ingenieursarbeit. Sind wir uns bewusst, dass wir ohne Relativitätstheorie und Quantenphysik nicht mit dem Mobiltelefon telefonieren könnten? Oder wollen wir auf das Auto verzichten? Oder die Direktübertragung des Endspiels aus Japan? Oder das „Navi“? Oder Röntgenbilder? Oder Flugzeuge? Oder den PC? Oder gar auf den iPod? Oder…

Nein? Gut – also doch Physik!

Natur und Technik, das neue Fach in der Unterstufe, führt die Schülerinnen und Schüler jetzt schon viel früher an die naturwissenschaftlichen Sichtweisen und die Technologie, auch die Informatik, heran. Nach den beiden ersten Jahren mit dem Schwerpunkt auf der Biologie kommt der erste „echte“ Physikunterricht im Rahmen von „Natur und Technik“ nun bereits in der 7. Klasse. In Neubeuern unterstreichen wir die große Bedeutung, die dem neuen Fach beigemessen wird, auch dadurch, dass ein Lehrertandem die Klassen betreut. Damit ist es möglich geworden, den experimentellen Anteil am Erforschen der Natur, den die Schüler selbst  durchführen können, sehr zu vergrößern, und so hoffentlich auch das Staunen, das ja die Neugierde erst richtig anfacht!

Physik ist aber nicht nur „l’art pour l’art“.

Deshalb wird derzeit für die Mittelstufe eine Zusammenarbeit mit der „Deutsche Telekom Stiftung“ angebahnt. Diese Stiftung, unter dem Vorsitz von Dr. Klaus Kinkel und dem Geschäftsführer Dr. Ekkehard Winter, hat es sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen für das Berufsbild des Ingenieurs, Wissenschaftlers oder Forschers zu begeistern. Sie fördert interessierte Schulen beim Aufbau einer „Junior Ingenieur Akademie“. Dies ist ein Konzept, bei dem Schule, also: Schüler, Industrie- und  Universitätspartner an einem gemeinsamen zweijährigen Projekt arbeiten. Dabei findet ein Großteil des Unterrichts außerhalb der Schule statt und wird auch von Universitätsdozenten oder Fachleuten aus der Industrie abgehalten. Die Schüler arbeiten an praktischen, häufig auch industrierelevanten „echten“ Problemen. Es gibt Praktika, Exkursionen und Seminare sowie – von immer größerer Bedeutung für die berufliche Entwicklung – auch Workshops zur Stärkung der persönlichen Fähigkeiten. Die neue Struktur des G8 mit den Profilstunden ermöglicht einen sinnvollen Einbau einer solchen Junior Akademie in den Jahrgängen 9 und 10.

Physik ist aber eben auch „l’art pour l’art“.

Es lohnt sich, gewisse Fragestellungen eben nur deshalb zu beachten, weil sie sich stellen, noch ohne dahinter gleich die technische Anwendung zu suchen oder gar zu fordern! Was wäre geworden, wenn sich Albert Einstein auf seine Tätigkeit als Prüfer beim Berner Patentamt beschränkt hätte und sich nicht die Frage gestellt hätte, was wohl passiert, wenn man einem Lichtstrahl hinterher reist? Und so mal eben die Relativitätstheorie aus der Taufe hob?

Die Astronomie ist wohl diejenige Wissenschaft, die von einer Anwendung am weitesten entfernt ist. Etwa so weit wie Caesars Latein von einer gepflegten Konversation über das letzte Länderspiel. Und doch haben gerade die Fragen, die sich aus der Beobachtung des Himmels und den Erklärungsversuchen für die Phänomene ergaben, den ganzen Stein erst ins Rollen gebracht und solche Größen wie z.B. Galilei, Kepler und Newton, später Maxwell, Planck und Einstein erst auf den Plan gerufen. Astronomie fasziniert, und so nimmt es nicht Wunder, dass sich das Fach in der 13. Jahrgangsstufe im Rahmen des Grundkurses Physik einer stetigen Beliebtheit erfreuen kann. (Als Appetitanreger:  Aufnahmen des Hubble Space Telescope

Physik ist also von Relevanz.

Einmal als Basiswissenschaft für alle technologischen Entwicklungen. Zum anderen als Grundlage für unser modernes Weltbild. Wer sich mit Physik beschäftigt hat, hat gelernt, kritisch zu fragen. Immer wieder die Frage nach dem „warum“ und immer wieder die Frage, ob die „alten unumstößlichen“ Gesetze tatsächlich noch gültig sind, oder sogar, ob sie es jemals waren. Diese Art, sich Fragen und Problemen zu stellen, ist in allen Bereichen von Nutzen und ist der ständige Antrieb zur Innovation.

Für die Fachschaft Physik:

Dr. Stephan Haser