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Terror made in Germany


Internat Vortrag

Bericht aus einer dunklen Welt.

Terrorwarnungen, die bestehende Gefahr von Anschlägen und Attentate auf unschuldige Menschen dominieren derzeit die Nachrichten. Jeder kennt die Bilder aus dem Fernsehen, die blutüberströmte Verletzte zeigen, eine fassungslose Bevölkerung und mitunter machtlose Politiker, die sich einem bestens organisierten Terrornetzwerk eher hilflos gegenüber sehen. Viele Menschen stellen sich die Frage nach dem Warum? Wer sind diese Terroristen, die den Tod Unschuldiger wollen und die Anschläge im Namen einer Religion verüben?

Am 14. Juni lernten wir den Deutsch-Bosnier Irfan Peci kennen. Herr Peci, 1989 in Serbien geboren, floh 1991 mit seiner Familie aus dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land nach Weiden, wo er, bis er 16 Jahre alt war, eine ganz normale Kindheit verbrachte und zur Schule ging. Irfan Peci, selbst gläubiger Moslem, berichtete, wie er als Jugendlicher begann, sich für Religion zu interessieren, Fragen nach dem Sinn des Lebens und nach einem Leben nach dem Tod zu stellen. Seine Fragen blieben unbeantwortet und wurden von Seiten seiner Lehrer nicht einmal zur Kenntnis genommen. Während eines Serbien Urlaubes ist er zum ersten Mal mit der salafistischen Szene in Kontakt gekommen. Warnungen, sich hiervon fernzuhalten, winkte er ab. Er wollte sich selbst ein Bild von den geheimnisvollen Typen machen und ging zum ersten Mal zum Freitagsgebet in die Moschee. Endlich fand, der sich der bis dahin heimatlos fühlende, Irfan seine Identität: Er war Moslem! Nicht der in Deutschland lebende ‚Jugo‘ oder Serbe und nicht der aus Serbien stammende Flüchtling. „Im Islam gab es keinen Nationalismus. Jeder konnte Moslem sein, egal aus welchem Land.“ (Peci, Irfan: „Der Dschihadist. Terror made in Germany – Bericht aus einer dunklen Welt.“, München 2015, S. 29.) Sein Cousin, ein Salafist, erfuhr von Irfans Interesse und brachte ihm den Islam und salafistisches Verständnis bei. Der bis dahin unwissende Jugendliche hat alles geglaubt und nichts hinterfragt. Zurück in Deutschland driftete Irfan in den Extremismus ab. Er unterschied von nun an zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Das Jenseits faszinierte ihn mehr als das Diesseits und drängte ihn dazu, zwischen Schule oder Beten zu wählen. Die Wahl fiel auf das Beten. Statt jeden Morgen in die Schule zu gehen, las er islamische Bücher, forschte im Internet, in Islamischen Foren, wo er die Antworten fand, die er bis dato nie erhalten hatte. „Alles hatte auf einmal seine Ordnung […]. Für alles gab es eine Anleitung, kein großes Herumphilosophieren, alle Antworten waren bereits da. […] Klare Botschaft. Keine endlosen Diskussionen […].“ (Ebd., S. 40.) Er sah Propagandavideos über Hinrichtungen und war fasziniert von dieser vermeintlichen Gerechtigkeit des Dschihad und wollte mehr: Er wollte sein Umfeld, seine Umwelt verändern. Er kam in Kontakt mit al-Qaida, begann sich zu isolieren, zog sich aus seinem „echten Leben“ zurück und brach die Schule ab. Er machte Bekanntschaft mit Mohamed Mahmoud aka Abu Usama, einem österreichischen al-Qaida Propagandisten und wurde dessen Vertrauter. Nach Mahmouds Verhaftung stieg zum Anführer der GIMF (kurz für Globale Islamische Medienfront, die sich bis 2008 zur „größten Vertreterin dschihadistischer Propaganda im deutschsprachigen Raum“ entwickelt hatte) (Vgl. ebd., S. 48ff.) auf und war nun Chef des Sprachrohrs von al-Qaida in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Irgendwann jedoch reichte ihm der Kampf in der digitalen Welt nicht mehr. Er überzeugte alte Freunde von seiner Ideologie, schmiedete Pläne für eine Moschee und gründete einen Verein. Er wollte Aufmerksamkeit. (Irfan betont, dass er die Gewalt gegen Unschuldige schon damals „in manchen Momenten […] ablehnte. Manchmal taten [ihm seine] Opfer leid. Dann wieder dachte [er], dass sie es nicht besser verdient hätten.“ (Ebd., S. 94.)) Sein Plan war es, ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet zu reisen und dort den Heiligen Krieg zu unterstützen und gegen die Unterdrückung der Muslime zu kämpfen. Bevor er zur Tat schreiten konnte, wurde der damals 19. Jährige festgenommen und mit dem Vorwurf, der „Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“ unter Anklage gestellt. Er verbrachte 1 Jahr in Isolationshaft, 24 Stunden am Tag allein, 23 davon in eine Zelle eingesperrt. Isoliert von seinen gleichgesinnten Brüdern, hatte er viel Zeit zum Nachdenken. „Ist der Islam, wie er ihn lebt gerecht?“ Irfan Peci zog Bilanz seines bisherige Lebens und erkannte, dass er bis dato nur Schaden angerichtet hatte. Aus dieser Erkenntnis heraus wuchs der Wunsch, aus der Szene auszusteigen und einen Neuanfang zu starten. Die Justizbehörden erkannten Irfans Bemühungen und sein Streben, seinem alten Leben den Rücken zu kehren und unterbreiteten ihm das Angebot, als V-Mann in der Szene tätig zu werden und Insider-Informationen weiterzuleiten. Bestärkt von dem großen Wunsch, endlich etwas Positives im Leben zu leisten, den angerichteten Schaden etwas wieder gut zu machen und einen Teil zur Sicherheit Deutschlands beitragen zu können, nahm er das Angebot an und war 1 Jahr für den Verfassungsschutz tätig. Er „verpfiff“ Dschihadisten, die Deutschland verlassen und in den Heiligen Krieg ziehen wollten, lieferte Insider-Wissen und Informationen über die Finanzierung der Terrorgruppe. Viele Hintermänner wurden mit seiner Hilfe verhaftet, viele Anschläge verhindert. Um die Prozesse nicht zu gefährden und die Verurteilung der Männer, die mit seiner Hilfe gefasst wurden, nicht zu gefärden, musste Irfan Peci als V-Mann des Verfassungsschutzes enttarnt werden. So etwas bleibt nicht ohne Folgen: Irfan war nicht länger sicher, er erhielt Morddrohungen, musste schließlich untertauchen und bekam eine neue Identität. Diese Zeit beschreibt er als psychisch sehr schwierig – ein ständiges Versteckspiel mit vielen Einschränkungen und permanenter Angst. Die Lage hat sich mittlerweile etwas beruhig, jedoch ganz ohne Risiko lebt er auch jetzt nicht. Die Vergangenheit holt ihn ständig ein, z.B. wenn er bei Gericht als Zeuge aussagt. Heute will Irfan andere vor der Radikaliserung bewahren, indem er vor allem Jugendliche aufklärt und ihnen seine Geschichte erzählt. Neben seiner Präventionsarbeit zählt auch die Deradikaliserung zu seinen Aufgaben. Hier werden durch Gespräche falsche und radikale Ideologien enttarnt und abgebaut. Hat er damit Erfolg? Hoffentlich! Das Risiko der scheinheiligen Reue besteht jedoch immer.

Irfan Peci schließt seinen Vortrag mit einem Appell an die Schüler: Bildung ist die Grundlage für ein glückliches Leben. Durch sie lernen wir, zu differenzieren, zu hinterfragen und selbstständig zu denken. Gute Bildung bietet weniger Nährboden für Extremismus und ist die Grundlage für eine offene und tolerante Gesellschaft.

Katja Olschewsky & Julia Schmiedchen

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